Chronik

90 Jahre GV Thalia

Autor: Jürgen Wiesbeck

 

Die Gründung im Jahr 1919

Im Nachkriegsjahr 1919 hatten damals vier junge Männer, deren Namen, Jakob Hornig,  Anton Ewald, sowie Karl und Wilhelm Valentin aber heute sicher nur noch den alteingesessenen Handschuhsheimern etwas sagen, die Idee einen Theaterverein aus der Taufe zu heben. Der Name „Thalia“, eine Huldigung an die Muse der Schauspielkunst, ist seither  ein nicht weg zu denkendes Zeugnis dieses Gründungsgedankens. Von der Gründungsidee bis zur tatsächlichen Gründung am 1.Mai 1919 im Nebenzimmer des damaligen „Zähringer Hofes“ selbst jedoch, gab es mancherlei Hindernisse zu überwinden. Gestandene Männer mussten für die neue Idee gewonnen werden, denn keiner der vier Thalia-Begeisterten war volljährig. Heinrich Eschmann wurde deshalb die Ehre zu Teil Gründungsvorsitzender zu sein, Jakob Hornig übernahm dessen Stellvertretung, Michael Ewald die Kassengeschäfte und Anton Ewald  wurde zum Spielleiter der Theater-Akteure bestimmt.

 

Theatertradition

Schon seit den ersten Vereinstagen pflegt deshalb die Thalia den Gründungsgedanken. Zunächst mit Freilichtaufführungen im idyllischen Grahampark, später bei Heimatstücken in der Tiefburg, bei solistischen Musikinszenierungen und heute mit komödiantischen Mehraktern, beweisen die „Theaterspieler“ die ungebrochene Liebe zur Tradition und zur Schauspielkunst. In der Thalia wird das Laienspiel noch immer gelebt. Mit viel Erfolg und Hingabe werden jährlich Theaterstücke zur Thalia-Winterfeier uraufgeführt und gleich mehrfach in der engeren und weiteren Region als Gastspiele wiederholt. Die Laienspielgruppe wird derzeit von Adolf Wiesbeck geleitet, der die Aufgabe nach mehr als zwanzig Jahren Tätigkeit von seiner verstorbenen Frau Ruth übernommen hat - zuvor hatte sie den Regiestab von ihrem Vater Otto Krämer übernommen, der seit dem Kriegsende als Chef der Theatergruppe agiert hatte. Seit vielen Jahrzehnten begleiten Theater-Akteure wie Friedel Ziegler, Adolf Wiesbeck und Christel Burkhard die Aufführungen, ihre Namen stehen für viele „Thalianer“, die irgendwann in den  vergangenen  90 Jahren auf den Brettern die auch in Handschuhsheim die Welt bedeuten.

 

Sängertradition als MGV

Bereits vier Jahre nach der Vereinsgründung waren es 14 sangesfreudige Thalia-Mitglieder, die sich nach entsprechender Initiative zu einer Gesangsabteilung formierten. Den Dirigentenstab schwang erstmals der zu diesem Zeitpunkt unterrichtende Hauptlehrer Albrecht. Die Gründung der Gesangsabteilung, sie war  eine weitereichende Entscheidung, wie die Geschichte der Thalia nach 90 Jahren belegt. Das Sängerleben begann mit ersten Auftritten bei Stiftungsfesten und Jubiläen. Erste zarte Freundschaftsbande zu anderen Gesangvereinen wurden bereits damals geknüpft. Eine dieser Freundschaften, die seit 1924 über alle Höhen und Tiefen gar in einer gegenseitigen Patenschaft hält ist die mit dem „Frohsinn“ aus Spielberg. Vom reinen Theaterverein wechselten Namen und Gesicht schon recht bald zum Männergesangverein. Erste Höhepunkte des „sängerischen“ Neubeginns bewiesen ein großes Chorkonzert zum fünfjährigen Jubiläum der Gesangsabteilung im Jahr 1928 und gipfelten im Stiftungsfest mit entsprechender Fahnenweihe 1929. Erfolge bei zahlreichen Prädikat- und Wertungssingen, bei Rundfunkauftritten und Konzerten von damals bis heute sind Beweis für die kontinuierliche Entwicklung der Sangestradition. Meilensteine der Vereinsgeschichte, wie die Gründungsjubiläen zum 25., 50. Und zuletzt dem 75. Bestehen, beliegt die tiefe Verwurzelung in das kulturelle Leben von Handschuhsheim.  Gerade das 75-jährige Jubiläum mit großem Sängerfest auf der Freizeitanlage am Hellenbach wird vielen noch in Erinnerung sein, für die Thalia und die Handschuhsheimer ein rauschendes Fest über vier Tage, mit Festzelt, mehr als 60 Gastvereinen und einem unvergesslichen „Hendsemer Abend“ bei dem auch zahlreiche nicht singende Handschuhsheimer Vereine sowohl Stimme als auch komödiantisches Entertainment offenbarten!

 

Frauenchortradition 

Zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen, auch gegen oder vor dem  offenkundigen Zeitgeist, bestehen gegen Kritiker, Pessimisten und Traditionalisten, das war für die Verantwortlichen in der Thalia schon immer auch Anspruch fortscheitender Entwicklung. So fiel die Gründung des Frauenchores im Jahr 1949 nicht nur auf wohlwollende Zustimmung. Wie weitblickend aber der Einfluss von damals war belegen die zahlreichen Frauenchorgründungen seit dieser Zeit deutlich und nachhaltig. Mit 20 Sängerinnen startete das junge „Frauen-Kränzchen“ und bereits nach fünf Jahren war neben dem damals stattlichen Männerchor ein Frauenchor mit 60 Sängerinnen entstanden. Eine Zahl die sich mit Schwankungen heute nicht mehr ganz halten lässt und dennoch zählt der Frauenchor auch heute noch zu den großen eigenständigen Chören im Badischen Sängerbund.  Weit mehr als die Sängerzahlen aber wiegen die „sängerischen“ Höhepunkte die auch die Damen in der Thalia-Geschichte vorweisen können. Zahlreiche Auftritte mit außerordentlicher Beachtung, hervorragende Bewertungen bei Punktwertungs- und Prädikatsingen und nicht zuletzt das Konzert des Frauenchores im vergangenen Jahr im Carl-Rottmann-Saal beweist, dass der Frauenchor  mit zur tragenden Säule der Vereinsarbeit geworden ist. Die Umbenennung des Vereins vom MGV zum GV in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sind mehr als ein Zeichen  an  die mittlerweile eigene Tradition und Verwurzelung in der Thalia.

 

Kinderchortradition

Manch einer, der sich in diesen Tagen mit der Geschichte der Thalia beschäftigt, wird sich in dieser Geschichte selbst wieder finden. Für manchen, der heute „betagt“ die Thalia  begleitet wird seinen Thalia-Eintritt in den 1950ern oder 1960ern wieder entdecken. Dort hat die Kinderchortradition in der Thalia ihren Ursprung. Mit strahlenden Augen entdeckt sich mancher auf alten Kinderchoraufnahmen aus dieser Zeit, erinnert sich an zwar nicht immer klangreinen Hörproben, aber sicher an die Begeisterung mit der jeder Auftritt der Kinder bei Weihnachts- und Altenfeier stürmisch gefeiert wurde. Trotz Einstellung des Kinderchores in den siebziger Jahren muss es wohl diese Begeisterung gewesen sein, die die Glut und die Sehnsucht einen Kinderchor zu haben auch in der Thalia neu angefacht hat.  Seit 2002 hat die Thalia wieder einen Kinderchor, begeisterte, strahlende Nachwuchssänger die es  verstehen das Publikum wie 2004 bei einem eigenen Sommer-Konzert zu verzaubern. Eine Tradition mit Unterbrechung, zu gegeben, aber sicher ohne Widerspruch eine Tradition mit ganz viel Zukunft die derzeit von Alexa Gillmann als Chorleiterin mit viel Engagement mit bestimmt wird.

 

Chorleitertradition

Die Chronik der Thalia würde ihren Anspruch auf Detailgenauigkeit einbüßen, würde die musikalische Fortentwicklung ausgespart bleiben. Insgesamt 10 Dirigenten prägten bisher bei der Thalia das musikalische Chorleben, sicher jeder Chorleiter auf seine, ganz individuelle Art. In der 90-jährigen Vereinsgeschichte verbinden die Namen der Chorleiter verschiedene Zeitepochen. De Grundstein musikalischer Arbeit legte 1923 der Handschuhsheimer Hauptlehrer Eugen Albrecht. Bis 1931 gab er dem jungen Chor den rechten Ton, führte den damaligen Männerchor zu ersten großen Erfolgen. Aus gesundheitlichen Gründen übergab er den Dirigentenstab an seinen Kollegen Hauptlehrer Carl Schmitt, für seine Verdienste verlieh ihm die Thalia den Titel eines Ehrenchormeisters. Drei Jahre zeichnete Carl Schmitt für die Chorarbeit verantwortlich, das erste große Chor- und Solistenkonzert zum zehnjährigen Bestehen der Thalia Gesangsabteilung fiel in diese Ära.  Mit Georg Schön verpflichteten die Thalia-Verantwortlichen 1934 den ersten Musikdirektor. Die beginnende „Gleichschaltung“ bescherte zahlreiche Sängerfestauftritte und im Jahr 1937 ein erstes Rundfunksingen – für viele damals sicher „neumodischer Kram“. Die Kriegswirren stoppten den chorischen Aufschwung als Musikdirektor Schön 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Noch einmal übernahm Ehrenchormeister EugenAlbrecht die Leitung des stark dezimierten Chores, nach zwei weiteren Jahren forderten die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges die Einstellung des Singstundenbetriebes. Als 1946 die Thalia-Sänger wieder zur ersten Probe zusammen kamen stand wieder der Ehrenchormeister Eugen Albrecht am Dirigentenpult. Den richtigen Nachfolger fand man im Jahre 1947 in Hans-Joachim Ulm. Im aufstrebenden Nachkriegsdeutschland erlebte der Männerchor einen rasanten Aufschwung. Höhepunkte dieser zeit waren das dreißigste Gründungsfest 1949 im Heidelberger Schloss, die ebenfalls in dieses Jahr datierte Frauenchorgründung und im Folgejahr die Gründung eines Knabenchores durch den Thalia-Sänger Rudi Uthardt. Die Wirtschaftswunderzeit brachte den Thalia-Chören 1953 einen weiteren Chorleiterwechsel. Nach sechs Jahren verließ Hans-Joachim Ulm die Thalia, Rudi Uthardt avisierte vom Sänger zum Thalia-Chorleiter, garantierte in den Folgejahren für hervorragende Leistungen bei zahlreichen Wertungs- und Kritiksingen  Berufliche Gründe zwangen Rudi Uthardt 1962 zur Aufgabe seiner erfolgreichen Arbeit bei der Thalia. Günter Neidlinger übernahm die Chorausbildung, doch schon nach einem halben Jahr folgte er dem Kappellmeisterruf zum Stadttheater Saarbrücken. Der Freude über die Neuverpflichtung von Helmut Rebscher. Bis 1965 setzte er mit den Chören der Thalia musikalische Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. Die außerordentliche Qualifikation von Helmut Rebscher unterstrich im Jahr 1965 dessen Berufung zum Leiter der städtischen Musik- und Singschule Ludwigshafen. Die konsequente Fortführung musikalischer Sangestradition gelang mit der Verpflichtung von Musikdirektor Erich Harbarth. Elf Jahre zeugte sein Schaffen mit den Thalia-Chören vom hohen Maß chorischer Musikalität. Das Sängerfest zum 50. Gründungsjubiläum 1969 unter seiner chorischen Leitung und hervorragende Ergebnisse beim Bezirksliedersingen in Eppelheim 1973 belegen diese Kompetenz. 1976 gelang es dem Thalia-Vorstand erneut Helmut Rebscher  für die musikalische Leitung zu gewinnen. Der damals zukunftsweisenden Entscheidung folgten 16 überaus erfolgreiche Jahre mit zahllosen Auftritten bei Punktwertungs- und Prädikatsingen. Herausragende Höhepunkte dieser zeit waren sicherlich das Erringen des Klassenpreises durch den Frauenchor in Peterstal, der Klassensieg des Männerchores in Altenbach 198 und das Erreichen der Tagesbestleitung beim Volksliedersingen des MGV Freundschaft-Eintracht Handschuhsheim. 1992 verabschiedete die Thalia Helmut Rebscher. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seine Thalia-Berufung aufgeben. Für seine erfolgreiche Arbeit, aber auch seine freundschaftliche Verbundenheit ernannte ihn die Thalia zum Ehrenchorleiter. Eine neue Chorleiter-Ära begann mit der Verpflichtung von Matthias Hartmann. Nach nur zwei Jahren Tätigkeit gelang unter seiner musikalischen Leitung das bislang größte von der Thalia ausgerichtete Sängerfest zum 75-jährigen Jubiläum auf der Freizeitanlage am Hellenbach. Mehr als 1000 Sänger beteiligten sich an Volksliederwertungs- und Freundschaftssingen und trugen zum vielbeachteten Gelingen bei, überwältigende Erfolge beim Festkonzert mit Opernchören und Arien zum 75.Gründungsfest aber auch die Aufführung der Carmina Burana 1999 in der Friedenskirche schlossen sich an. Die Wiedergründung des Kinder-, später zusätzlich eines Jugendchores  fiel in das Dirigat von Matthias Hartmann. 2006 verließ er auf eigenen Wunsch die Thalia mit Thomas Brost seinem Nachfolger wird der Zukunft eine neue Basis gegeben wie das Frauenchorkonzert im letzten Herbst bewiesen hat und sicher auch die Jubiläumsveranstaltungen zeigen werden.

 

Tradition hat Namen

Untrennbar verbunden mit der langen Geschichte der Thalia und damit auch mit der Geschichte des Stadtteils Handschuhsheim bleiben auch die Namen all derer, die an der Spitze der Thalia als Vorsitzende Verantwortung getragen haben. Nur acht Namen finden sich seit der Gründung auf der Liste der Vereinsvorsitzenden und zieht man von dieser ohnehin schon kurzen Liste die Namen der beiden nur im Gründungsjahr 1919 amtierenden Vorsitzenden Heinrich Eschmann und August Schramm, aber auch den in diesem Jahr neu gewählten Vorsitzenden Thomas Frank ab, so bleiben die Namen von Jakob Hornig, Otto Krämer, Adolf Wiesbeck, Reinhold Hornig und Peter Wiesbeck. Fünf Namen, die für zwei Familien stehen, die fast 90 Jahre die Geschicke der Thalia wesentlich bestimmt, durch gute und weniger gute Jahre begleitet haben.  Allen voran, herausragend sicher, Jakob Hornig. Als Mitbegründer stand er der Thalia über fünf Jahrzehnte vor. Als Motor des Vereinsschiffes, so zeigt es die Chronik, war die Thalia sein Lebenswerk, das er für alle Wegbegleiter unvergesslich durch unermüdlichen Einsatz und kaum vorstellbare Hingabe gepflegt hat. Ihm folgte Otto Krämer, nach dem 2.Weltkireg nach Handschuhsheim gekommen prägte er entscheidend die Laienspieltradition, stand über lange Zeit als zweiter Vorsitzender neben Jakob Hornig der Thalia vor und übernahm nach dessen Abschied den Vorsitz. Ihm folgte der heutige Ehrenvorsitzende Adolf Wiesbeck, der als Schwiegersohn von Otto Krämer zunächst 1974 bis 1986 die Vereinsführung übernahm, das Vereinszepter danach an den Enkel von Jakob Hornig, Reinhold Hornig übergab und nach dessen Ausscheiden 1992  erneut die Geschicke der Thalia in die Hände nahm. Insgesamt 18 Jahre stand der Name Adolf Wiesbeck gleichbedeutend mit dem Namen Thalia, 1998 übergab er die Vereinsführung an seinen Sohn Peter Wiesbeck, der nach 10 Jahren Thalia-Vorsitz im vergangenen Jahr nicht mehr für den Vorsitz kandidierte. Seit Februar 2009 hat die Thalia nach einjähriger Findungsphase einen neuen Vorsitzenden, Thomas Frank, sein Name verrät es nicht, aber die Tradition familiärer Verbundenheit lebt weiter in der Thalia, seine Frau ist die Urenkelin von Jakob Hornig, eine Tradition die bislang die Zukunft immer garantiert hat.

 

Tradition mit Zukunft

Nicht immer erlebte die Sängergemeinschaft in der Thalia nur Höhenflüge. Bewegte Zeiten fordern Höhen und Tiefen. Die Anpassung an die Gegenwart aus 90-jähriger Tradition erfordert immer wieder gelebte Neuanfänge, gibt aber auch Gelegenheit zum Rückblick auf Bewährtes. Die Geschichte der Handschuhsheimer Thalia ist die Geschichte vieler einzelner Menschen unterschiedlichster Verhältnisse mit den verschiedensten An- und Einsichten die sich ganz oberflächlich betrachtet über Theaterspiel und Gesang zusammengefunden haben. Der etwas tiefergehende Blick eines Chronisten aber offenbart manchmal mehr. Der Thalia anzugehören ist eben ein bisschen mehr als nur Gesang und Theater! Vielleicht ist es das gemeinsame Lachen, vielleicht das gemeinsame Erinnern, vielleicht das gemeinsame Fordern oder auch das gemeinsame Feiern - es ist wohl von allem etwas – das einem nicht mehr los lässt von der „Hendsemer Thalia“ - das hat seit 90 Jahren Tradition und war schon immer die Zukunft!

Ein gelungener Theaterabend!!!

Das war ein rundum gelungener Abend!

Vielen Dank an die Theatergruppe! Toller Auftritt! Viele Lacher! Wagemutige Kostüme! Klasse Technik!

Vielen Dank auch an alle Helferinnen und Helfer im Hintergrund!